Pfarrverband Irdning - Donnersbach - Donnersbachwald
 Die Pfarre   Kontakt   Gottesdienst   Gruppen, Anliegen, Firmung   Termine    Bilder 
 Geschichtliches   Leben in der Pfarre   Pfarrkirche   Filialkirche Aigen   Kirche Hohenberg 

Pfarrkirche

Zur Renovierung

Geschichte der Pfarrkirche St.Peter und Paul

Die Gründung der Kirche von Irdning ging von Salzburg aus (Petrus ist der älteste Schutzheilige Salzburgs und erster Patron der Kirche). 1514 wurde erstmals auch der Hl. Paulus urkundlich genannt. Die beiden Heiligen zieren das Hochaltarbild. Das Doppelpatrozinium stand offiziell fest, als in einem Protokoll über die bischöfliche Visitation der Pfarre Irdning im Mai 1619 eine Vicarialis ecclesia SS. Petri et Pauli Apostolorum in Jerning (Vikariatskirche der Hl. Apostel Petrus und Paulus in Irdning) erwähnt wurde. Die Geschichte der Pfarrkirche von Irdning ist eng mit Aeneas Silvio Piccolomini (geb. am 18. Oktober 1405 in Corsignano, dem später nach ihm benannten Pienza, gest. 15.August 1464 in Ancona) , dem damaligen Bischof von Siena und kaiserlichen Rat, verbunden, der als grosser Gelehrter, Theologe, Staatsmann und Humanist eine der hervorragenden Gestalten des 15.Jahrhunderts war. Von 1455 bis 1458 war diese grosse Persönlichkeit Pfarrer von Irdning. Nach seiner Wahl zum Papst (1458) ernannte er seinen Neffen Franz Piccolomini – ebenfalls Bischof von Siena und späterer Papst Pius III. - zu seinem Nachfolger. 1503 übernahm der Notar und Kämmerer des Kardinals, Georg Perler, die Pfarre, der allerdings im Jahre 1514 resignierte, so dass Papst Leo X. die Pfarre Irdning dem Chorherrenstift Rottenmann einverleibte. In dem unter Dechant Hölbling umgebauten Pfarrheim befindet sich der sogenannte „Piccolomini-Saal“.

Die baugeschichtliche Entwicklung der Pfarrkirche von Irdning spiegelt sich am besten im Dachboden des Kirchenschiffes wieder, in dem noch vorhandene Mauern der drei verschiedenen Bauphasen (Romanik, Gotik und Barock) zu sehen sind. Im Zuge der Erneuerung des Aussenverputzes der Kirche im Jahre 1958 konnte ein romanisches Rundbogenportal freigelgt werden, welches jedoch wegen des schlechten Erhaltungszustandes wieder übermörtelt wurde. Dieses Portalfragment an der südlichen Aussenfront stammt aus dem12. Jahrhundert, also aus der Erbauungszeit des ältesten Teiles der Kirche. Sonst ist vom romanischen Kirchenbau nichts mehr zu erkennen. Ein Grossteil des heutigen Kirchenschiffes geht auf die Frühgotik zurück und dürfte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts anstelle der romanischen Kirche errichtet worden sein. Dieser Bau erstreckt sich über vier Joche und ist mit eingestellten Strebepfeilern ausgestattet. Das Netzrippengewölbe, die dreiachsige Westempore mit zwei Jochen und das Spitzbogige, versteppte Westportal sind aus dem späten 15. Jahrhundert. Ein besonderer Gewinn war die Freilegung der Pfeiler und Rippen aus der Zeit des gotischen Umbaues. Bei diesen Arbeiten kam eine Reihe von Steinmetzzeichen, die wegen ihrer Eigentümlichkeit das besondere Interesse der Kunsthistoriker erwecken, zum Vorschein. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei der Gotisierung der Pfarrkirche auch Irdninger Steinmetzen mitgearbeitet haben. Das heutige Erscheinungsbild der Kirche geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Der barocke Umbau war nach dem Grossbrand im Jahre 1621 notwendig geworden. Von der spätgotischen Innenausstattung sind nur mehr 3 Stücke vorhanden: Der Unterteil eines mit der Jahreszahl 1521 datierten Sakramentshäuschen (seit dem 17. Jahrhundert in der Sakristei als Waschbecken in Verwendung), das Taufbecken und eine Lindenholzstatue des Hl. Sebastian, die einst Teil eines in der Zeit der Barockisierung verlorengegangenen Altarwerks war und jetzt am linken Pfeiler des Hauptschiffes angebracht ist. Sie wurde um 1520 gefertigt und wird der Werkstatt des Leonhard Astl zugeschrieben. (Das Hauptwerk dieses Künstlers ist der in der Pfarrkirche Hallstatt aufgestellte geschnitzte Marienaltar.) Den rechten Pfeiler ziert eine Figur des Hl. Florian. Im Jahre 1624 wurden zwei neue Seitenkapellen errichtet und ein neuer Dachstuhl aufgesetzt. Zum letzten grösseren Umbau der Kirche kam es in der Jahren 1737 – 1740, als der Irdninger Maurermeister Matthäus Koch den Chorraum um 3 Joche mit Halbkreisschluss sowie böhmischem Gewölbe mit Pilastern auf zierlichen Kapitellen vergrösserte und die Seitenkapellen zu eigenständigen Seitenschiffen des Chores verlängerte.

Die Einrichtung der Kirche stammt zum Grossteil aus dem 17. bzw. 18.Jahrhundert. Die eigentliche Ausgestaltung des Gotteshauses im barocken Geschmack vollzog sich zwischen 1639 und 1640. Mit der Errichtung des Kreuzaltares bei der Musikempore (im 2 Viertel des 18. Jahrhunderts) und der Kanzel war die Bau und kunstgeschichtliche Entwicklung der Pfarrkirche von Irdning im grossen und ganzen abgeschlossen.

Bei dem um 1750 geschaffenen Hochaltar handelt es sich um ein typisches Beispiel barocker Kunst. Sein hervorragendes Altarbild – ein Werk von Philipp Carl Laubmann aus Graz von 1752 – hat einen kunstvoll geschwungenen, vergoldeten Rahmen und stellt den Friedenskuss der beiden Kirchenpatrone, Petrus und Paulus dar, die sich vor ihrem Martyrium in Rom voneinander verabschiedeten. Zuseiten des Altarblattes stehen je zwei lebensgrosse, gefasste und vollvergoldete Statuen: Von links nach Rechts erkennen wir den Hl. Karl Borromäus, den Hl. Augustinus von Hippo, den Hl. Nikolaus von Myra, und den Hl. Aloisius von Gonzaga, deren Attribute von darüber schwebenden Engeln gehalten werden. Der Hl. Karl Borromäus - im Kardinalspurpur und mit Kreuz- wurde hier wahrscheinlich als Gegenreformator und Pestheiliger verehrt. Sein optisches Gegenstück ist der Hl. Aloisius von Gonzaga, welcher als Jesuitenkleriker gezeigt wird und ebenfalls als Pestheiliger die Verehrung des Volkes erfahren haben soll. Die Aufstellung des Hl. Augustinus von Hippo ist auf die jahrhundertlange Zugehörigkeit der Pfarre zum Chorherrenstift Rottenmann zurückzuführen. Er ist als Bischof mit Mitra und Stab dargestellt - die Lage Irdnings an der einst wichtigen Salzstrasse über das Glattjoch war sicher der Grund dafür dass der Hl. Nikolaus von Myra – unter anderen Patron der Pilger, Reisenden, Fuhrleute und Bauern – auf dem Hochaltar einen würdigen Platz gefunden hat. Wie der Hl. Augustinus ist auch er mit einer Bischofsmütze und einem Pastorale ausgestattet. Im Altaraufsatz, der auf vier marmornen Säulen mit vergoldeten Kapitellen und hohen Sockeln ruht, ist die Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit zu sehen: Die Heilig – Geist - Taube schwebt über einer blauen Erdkugel, die von Jesus Christus (mit dem Kreuz) und Gott Vater flankiert wird. Engel und schwebende Putten im Strahlenkranz umrahmen stilvoll die göttliche Szene.

In den Seitenkapellen stehen durchwegs barocke Altäre. Einfach gestaltet ist der Josefs - Altar im Rechten Seitenschiff (um 1770). Das Altarbild (1840) zeigt den Tod des Hl. Josef. Unterhalb sind freistehende Figuren der Hl. Familie (das Jesuskind wurde leider gestohlen) nebst der Hl. Anna und dem Hl. Joachim mit schaufelförmigem Schäferstab. Erwähnenswert ist darüber hinaus ein Römerstein aus dem 2. Jh. n. Chr. Der Johannes- Nepomuk- Altar ist zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden, und sein Altarbild ist mit „ Johann Rannacher f . 1729“ bezeichnet. An diesem Altar werden auch der Hl. Sebastian und er Hl. Rochus – beide Pestheilige – verehrt. Letzterer ist mit Wanderstab und auf seine Oberschenkel befindliche Pestbeule zeigend dargestellt.



In der linken (nördlichen) Seitenkapelle befindet sich der Rosenkranzbruderschaftsaltar. Die 15 Medaillons (das erste unten links ist gestohlen worden) geben die Stationen des Rosenkranzes wieder. Die jeweils anders gefärbten Rosen weisen auf die Geheimnisse der drei Rosenkränze hin. Das bemerkenswerte Altargemälde wurde 1640 von Andreas Sterz, einem Künstler des Stiftes Admont geschaffen und zeigt die Rosenkranzkönigin umgeben vom Hl. Dominikus und der Hl. Katharina von Siena, darunter weltliche und kirchliche Würdenträger. Die oberen drei Figuren sind von links nach rechts der Hl. Franz Xaver (?) der Hl. Josef und der Hl. Antonius von Padua. Der Tabernakel gehört nicht zur ursprünglichen Ausstattung dieses Altares. Weiters befindet sich im linken Seitenschiff der Lourdesaltar – (Aus dem 2. Viertel des 18 Jhds.) mit einer Nische aus dem Jahr 1887. Die beiden Statuen – links Simon von Syrene und rechts Johannes der Täufer – sind wahrscheinlich Arbeiten aus der Admonter Schule des Joseph Stammel. Der Kreuzaltar mit Kruzifix, reich stuckiertem Baldachin und Vorhang sowie die mächtige Kanzel stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Weitere Barocke Kunstwerke sind die dem Maler Johann Lederwasch zugeschriebenen Kreuzwegbilder (um1780) sowie der Totenschild des Johann Adam Freiherrn von Welsersheim aus dem Jahre 1687. Zu den Sehenswürdigkeiten dieses Gotteshauses zählen auch die Wappengrabsteine der Maria Margarete von Stainach (gestorben 1656), des Karl Friedrich von Welsersheim (gestorben 1686) und es Johann Adam von Welsersheim (gestorben 1687). In den vier Seitenkapellen hängen je 3 Apostelbilder. Die Orgel wurde um die Jahrhundertwende von der Firma Hopferwieser aus Graz erbaut. Zu erwähnen sind noch ein Stuckrelief der Gottemutter an der Aussenwand des Chorabschlusses und eine Sonnenuhr mit feiner Stuckrahmung (beide aus der Mitte des 18.Jahrhunderts). An der Langhaus - Südseite, weiters ein Wappenepitaph des Johann Josef Schröffel (gestorben 1674), eine Reliefbüste der 1822 verstorbenen Josefine Tunner sowie eine Pestsegentafel (1686) an der nördlichen Aussenfront. Der imposante Westturm mit spätgotischem Spitzbogenportal, der das äussere Erscheinungsbild der Kirche prägt, stammt aus der Zeit der Frühgotik und hatte einen spitzen Abschluss. In den Jahren 1753/1754 wurde er auf 5 Geschosse erhöht und erhielt die barocke Zwiebelhaube mit offener Laterne. Die Höhe des Turmes beträgt 58,3 Meter (mit dem Kreuz 60,9 m.) Im Turmdurchgang befindet sich eine spätbarocke überlebensgrosse Statue der Maria gravida (=schwangere Muttergottes).